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Frauen und Gesellschaft:Statement zur geplanten Pflegereform: Sparpaket für die Pflege - Sozial ungerecht und ein Weg in die Altersarmut

Die kfd Aachen kritisiert deshalb: Was als Pflegereform angekündigt wird, ist in Wahrheit ein Sparpaket zulasten derjenigen, die bereits heute den größten Teil der Pflege leisten - und das sind überwiegend Frauen*.
Pflegende Angehörige
Datum:
15. Juni 2026

Die gesetzliche Pflegeversicherung steht vor großen finanziellen Herausforderungen. Für 2027 wird ein milliardenschweres Defizit erwartet. Mit dem geplanten Pflege-Neuordnungsgesetz (PNOG) will die Bundesregierung gegensteuern. Der vorliegende Entwurf zeigt jedoch vor allem eines: Die vorgesehenen Einsparungen würden Pflegebedürftige und ihre Familien erheblich belasten - insbesondere die häusliche Pflege würde geschwächt.
Die kfd Aachen kritisiert deshalb: Was als Pflegereform angekündigt wird, ist in Wahrheit ein Sparpaket zulasten derjenigen, die bereits heute den größten Teil der Pflege leisten - und das sind überwiegend Frauen*.

Rund sieben Millionen Menschen pflegen in Deutschland Angehörige zu Hause. Sie versorgen 86 Prozent aller Pflegebedürftigen und tragen damit die Hauptlast der Pflege. In sieben von zehn Fällen übernehmen Frauen* diese Aufgabe - als Töchter, Partnerinnen oder Mütter.

Pflegende Angehörige leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesellschaft. Dennoch drohen ihnen durch die geplanten Regelungen weitere Nachteile. So sollen die Rentenbeiträge, die Pflegekassen für pflegende Angehörige zahlen, von 100 auf 70 Prozent der Bezugsgröße gekürzt werden. Für jemanden, der heute eine Person mit Pflegegrad 5 pflegt, sind das 220 Euro pro Monat weniger in die Rentenkasse. Für pflegende Rentner*innen sollen zusätzliche Rentenpunkte sogar ganz entfallen.
Besonders betroffen sind Frauen* zwischen 45 und 60 Jahren. Viele reduzieren ihre Erwerbstätigkeit bereits wegen der Kindererziehung und später erneut für die Pflege. Jahre in Teilzeit, Familien- und Pflegezeiten führen zu geringeren Rentenansprüchen. Altersarmut entsteht oft nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch viele Benachteiligungen über Jahrzehnte hinweg.

Kritisch bewertet die kfd Aachen auch die diskutierte Streichung des monatlichen Entlastungsbetrags von derzeit 131 Euro sowie Einschränkungen bei der Verhinderungspflege. Gerade diese Leistungen, die kurzfristig organisierbar und flexibel finanzierbar sind, ermöglichen Angehörigen notwendige Freiräume für Arztbesuche, Erledigungen oder kurze Erholungsphasen. Weniger finanzielle Unterstützung und weniger Flexibilität würden die häusliche Pflege spürbar erschweren.

Natürlich müssen Wege gefunden werden, die Pflegeversicherung langfristig finanziell zu sichern. Kürzungen allein sind jedoch keine Reform. Die geplanten Maßnahmen würden soziale Ungleichheiten verschärfen und insbesondere Frauen* weiter benachteiligen.

Die kfd fordert deshalb eine verlässliche Absicherung von Pflege- und Sorgezeiten: „Dabei ist sicherzustellen, dass Personen, die Sorgearbeit leisten, durch tragfähige, armutsfeste und geschlechtergerechte Regelungen geschützt werden.“1 Es wäre wünschenswert, wenn Pflege endlich als gesamtgesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen würde. Pflegende Angehörige sind nicht das Problem. Sie sind wesentlicher Teil der Lösung. Eine zukunftsfähige Pflegepolitik muss ihre Leistung anerkennen, stärken und gerecht absichern.


Dr. Claudia Kolletzki, Stellv. Vorsitzende kfd Diözesanverband Aachen

 

1 Positionspapier der kfd „Ökonomische Eigenständigkeit von Frauen und geschlechtergerechte Wirtschaftspolitik“. In ihrem bei der Bundesversammlung 2026 beschlossenen Positionspapier fordert die kfd umfassende Maßnahmen zur Stärkung der sozialen und wirtschaftlichen Situation von Frauen*.  Das gesamte Dokument findet ihr hier: 
https://www.kfd.de/fileadmin/user_upload/Aktuelles/P2_OEkonomische_Eigenstaendigkeit_von_Frauen_und_geschlechtergerechte_Wirtschaftspolitik__.pdf