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Frauen und Kirche:Apostelinnen-Leuchter: Feierlich eingeweiht

Mönchengladbach-Venn, 19. Juli 2026. Der neue Apostelinnen-Leuchter wurde in der Kirche St. Maria Empfängnis feierlich enthüllt und eingeweiht.
Einweihung_Apostelinnen_Leuchter
Datum:
20. Juli 2026

Ein Leuchter mit kraftvoller Botschaft und Ausstrahlung

Sie ist die meistfotografierte Frau an diesem Vormittag, der ganz in ihrem Zeichen steht. Mal lächelt sie ihr unergründliches Lächeln allein in die Kameras, nur flankiert von dem großen Rollstein neben ihr, mal ist sie umringt von Weggefährtinnen, von ihrer Schöpferin oder von Menschen, die zu ihrer Ehre gekommen sind und die sich von ihr haben ansprechen lassen. Es ist auch schwer an ihr vorbeizukommen. Mit ihren 1,80 Metern stellt sie etwas dar. Die Figur der Maria von Magdala ist Teil des Apostelinnen- Leuchters, den Künstlerin Sonja Toepfer für die Kirche Maria Empfängnis in Mönchengladbach-Venn gestaltet hat und der ein sichtbares Zeichen für Gleichberechtigung und für die wichtige Rolle von Frauen in der Kirchengeschichte und Glaubenstradition sein soll.

In den Gesichtszügen der Figur aus 300 Jahre altem Eichenholz spiegelt sich viel. In ihrer Maria könne jeder etwas für sich sehen und entdecken, sagt die Künstlerin. Der Leuchter ist am Sonntag vor dem Gedenktag der Maria von Magdala, dem 22. Juli, im Rahmen einer Festmesse feierlich enthüllt und eingeweiht worden. Neben der Figur der Maria besteht der Apostelinnen-Leuchter aus einem fast zwei Meter großen Rollstein ebenfalls aus Jahrhunderte altem Eichenholz), der den Stein symbolisiert, den Maria und ihre Begleiterinnen am Ostermorgen von der Grabö_nung Jesu weggerollt finden, einem Lesepult sowie einer farbigen Lichtinstallation hinter dem Stein mit der Botschaft „Jesus lebt“. Dieses beeindruckende Skulpturenensemble, das Besucher von nun an in der Kirche willkommen heißt, ist nicht ganz das, was man erwartet, wenn von einem „Apostelinnen-Leuchter für Maria von Magdala“ die Rede ist. Und doch ist es genau das.

Papst Franziskus hat eine Tür eingebaut, nur nicht geöffnet

Seinen Anfang hat alles bei einer Veranstaltung vor zwei Jahren in Erkelenz, bei der es auch um die Gleichberechtigung von Frauen in Kirche geht. Frauen aus dem ganzen Bistum Aachen diskutieren über „ihre“ Kirche, über das, was darin schiefläuft, was sich ändern muss und wo sie ihre Rolle sehen. Frauen in Kirche sind oft nicht sichtbar. Das war schon immer so. Maria von Magdala ist ein prominentes Beispiel dafür. Auch die ehemalige Bundestagsabgeordnete Christa Nickels, selbst aktives Mitglied der katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), sitzt in einer der Diskussionsgruppen und erinnert daran, dass Papst Franziskus Maria von Magdala 2016 zur „Apostelin der Apostel“ ernannt und sie damit mit den zwölf (männlichen) Aposteln gleichgesetzt hat. „Damit hat er eine Tür eingebaut, er hat sie nur nicht geö_net“, berichtet sie im Rahmen einer Gesprächsrunde im Anschluss an die Festmesse zur Einweihung. Daraus sei eine Idee entstanden: In vielen Kirchen gibt es Apostelleuchter, die an die zwölf Apostel erinnern. Müsste es dann nicht auch einen für die „Apostelin der Apostel“ geben? Können wir die Tür vielleicht einen winzigen Spalt ö_nen?

Eine konkrete, fühlbare Figur der Maria von Magdala

Den Faden greift der kfd-Diözesanverband Aachen gemeinsam mit der Frauenseelsorge im Bistum Aachen auf. Das Projekt „Apostelinnen-Leuchter“ entsteht und gemeinsam stiften sie mit Christa Nickels als Schirmherrin und unterstützt vom Bundesverband der kfd, der Frauenseelsorge und vielen Spenden einen solchen Leuchter, professionell gestaltet von einer Künstlerin. Um den bewerben sich elf Gemeinden und Pastorale Räume. Das „Team Apostelinnen-Leuchter“ (ehrenamtlich engagierte Frauen der kfd Venn, des Frauentre_s Venn und des Team KlarText) aus Mönchengladbach-Venn erhält mit seinem Konzept den Zuschlag und Künstlerin Sonja Toepfer schließlich den Auftrag den Apostelinnen-Leuchter zu gestalten. – Und, mit diesen beiden Entscheidungen wird aus einem einfachen Leuchter endgültig ein Kunstobjekt, das zwar als Leuchter fungiert und so viel mehr ist. Für Sonja Toepfer ist schon vor dem ersten Tre_en mit den Frauen aus Venn klar, dass das kein Wandleuchter wird. Eine konkretere Idee hatte sie nicht. „Ich wusste nur, als ich den Kirchenraum gesehen habe, da muss was Großes hin“, erzählt sie im Rahmen der Gesprächsrunde anlässlich der Einweihung. Erst über die Gespräche mit der Gruppe, die sich eine „konkrete, fühlbare Maria“ gewünscht hätten, sei für sie ein Bild entstanden, habe die Figur der Maria im wahrsten Sinne des Wortes ihr Gesicht bekommen. Aus 300 Jahre alten Eichendielen aus dem Umbau ihres alten Fachwerkhauses entstehen die Figur und der dazugehörige Rollstein. Die Frauen aus Venn begleiten den Entstehungsprozess, bekommen von Sonja Toepfer immer wieder Bilder. Gabriele Vogt aus dem Team besucht sie in ihrer Werkstatt und für sie ist sofort klar: „Das ist unsere Maria Magdalena.“ Zwölf Apostelleuchter hätten sie zwar nicht, sagt sie mit einem Augenzwinkern, „aber dafür jetzt die Dreizehnte“.

Die Osterbotschaft (be-)greifbar machen

Mit ihr haben sie viel vor. So soll die „Maria von Magdala“ Menschen, die die Kirche besuchen willkommen heißen, Menschen sollen ihr ihre Gedanken, Nöte und Gebete in einem ausliegenden Buch anvertrauen können und sie soll „Lichtträgerin“ sein. „Wir möchten zu allen kirchlichen Anlässen, die etwas mit dem Leben zu tun haben, die Kerze an der Maria entzünden“, erläutert Gemeindereferentin Manuela Thies-Diekamp. Als Zeugin der Auferstehung soll sie die Osterbotschaft verkünden und sie begreifbar machen: Jesus lebt, er hat den Tod überwunden. Und sie soll mit ihrer Geschichte für all die anderen Frauen stehen, die Kirche geprägt haben und prägen und die auch einmal auf einen Leuchter gehoben gehören.

Textgrundlage: Andrea Thomas, freie Journalistin.