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Stellungnahme der kfd Aachen

18.10.2018 - Der kfd-Diözesanverband Aachen hat eine Stellungnahme zur Erklärung von Bischof Dr. Helmut Dieser zur Missbrauchsstudie verfasst:

Sehr geehrter Bischof Dr. Dieser,

wir begrüßen es, dass Sie der Studie weitere Konsequenzen folgen lassen wollen. Ebenso freuen wir uns, dass Sie Betroffene ermutigen – wie auch wir es als Frauenverband tun – erlittenen sexuellen Missbrauch den diözesanen Ansprechpersonen oder externen Anlaufstellen anzuzeigen.

Mit Befremden nehmen wir zur Kenntnis das „das Forschungsprojekt (…) keinen Zugriff auf Originalakten der katholischen Kirche“ hatte.(1) Darüber hinaus fehlen sämtliche in Frage kommende weibliche Täterinnen (Ordensangehörige, Vorgesetzte, Lehrerinnen) die leider nicht Gegenstand des Forschungsprojekts waren, aber unabdingbar für eine lückenlose Aufarbeitung der Missbrauchsfälle seitens unabhängiger Forschungsstellen sind. A l l e Täter*innen sind auf jeder Ebene der Kirche durch die unabhängige, staatliche Justiz zu verurteilen, und sie sind ebenso kirchenrechtlich einer Bestrafung zuzuführen. Verjährungsfristen müssen aufgehoben werden.

Wir stellen fest, dass die Ergebnisse der MHG-Studie für das Bistum Aachen und für den Bereich der DBK nicht isoliert betrachtet werden dürfen. Sie stehen in Zusammenhang mit anderen Missbrauchsfällen und deren Verschleiern, Vertuschen und Verharmlosen durch katholische Geweihte – Priester, Diakone, Ordensleute – weltweit (Australien, Chile, Irland, Schweiz, USA, …).

Wie der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, so fordern auch wir „die vollumfassende, gleichberechtigte Teilhabe von allen getauften und gefirmten Frauen und Männern – entsprechend ihrer Charismen – an den Sakramenten, an den Diensten und Ämtern der Kirche. Das Erlösungswerk Jesu Christi ist als ‚liebende Selbstmitteilung Gottes‘, nicht als Mann, geschehen. Die Berufungen von Frauen und Männer
[sic!] sind nicht aufgrund von Geschlecht und sexueller Identität zu definieren, sondern aufgrund ihrer Charismen.

Can 1024 (CIC) muss ergänzt werden: Gültig geweiht ist jede getaufte Person, Mann und Frau.“(2)

Wir fordern

  • eine umfassende Reform der Priesterausbildung, die dem klerikalistischen Kirchenbild entschieden entgegen wirkt.
  • die Einführung einer strukturellen Gewaltenteilung
  • eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle
  • eine Übernahme der Verantwortung für den sexuellen Missbrauch durch höhere Amtsträger der katholischen Kirche
  • die sofortige Beendigung von Diffamierungen und die Respektierung der Anliegen der Betroffenen
  • den Einsatz für Betroffene und deren Unterstützung auch durch angemessene finanzielle Entschädigungen sowie professionelle psychologische Begleitung und Aufarbeitung der erlittenen Leiden

Als engagierte Katholikinnen treten wir für die Frohe Botschaft ein und wünschen uns auch in Zukunft glaubwürdig Zeugnis ablegen zu können. Dafür ist ein glaubwürdiger Umgang mit der begangenen Schuld unumgänglich, denn die betroffenen Opfer erwarten zu Recht, dass jemand Verantwortung übernimmt. „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat.“ (2 Kor 5,10)

(1) MHG-Studie S. 3
(2) Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Köln, Stellungnahme zur MHG-Studie vom 04.10.18, S. 2 Punkt 2

Stellungnahme des kfd-Diözesanverbands Aachen

 

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